Wallfahrten
Jährlich machen sich etwa fünfzig große Wallfahrten aus den Kirchengemeinden des Bistums Münster auf den Weg zur Schmerzhaften Mutter nach Telgte. Die Wallfahrt aus dem Nachbarbistum Osnabrück zählt zu den großen Fußwallfahrten Deutschlands. Ebenso besuchen Zehntausende Einzelpilger und Einzelpilgerinnen die Wallfahrtskapelle mit dem Gnadenbild. Seit einigen Jahren führt auch einer der westfälischen Jakobswege durch Telgte.
Bereits im 13. Jahrhundert war das junge Telgte ein Wallfahrtsort zum Heiligen Kreuz; dokumentiert in einem Ablassbrief von 1300. Ziel der Pilger und Pilgerinnen war eine Kreuzreliquie, die im Christuskopf eines mit Silberplättchen beschlagenen Eichenholzkorpus (um 1210) eingelassen war. Beides ist noch heute in der Propsteikirche St. Clemens zu sehen.
Das 14. Jahrhundert ging als „Katastrophenjahrhundert“ in die Geschichte Telgtes ein: Hungersnöte, die Magdalenenflut, das größte Ems-Hochwasser aller Zeiten, und die Pest-Pandemie erschütterten die kleine Stadt. In der Pietà, der trauenden Gottesmutter mit dem toten Sohn auf dem Schoß, fanden die Menschen eine Identifikationsperson: Maria versteht uns und kann helfen. So verschob sich im 14. Jahrhundert in Telgte der Akzent von der Heilig-Kreuz-Wallfahrt zur Marienwallfahrt.
Das Telgter Gnadenbild, aus Pappelholz geschnitzt, ist vor 1348 entstanden; wie, wann und wo genau ist unbekannt. Die Pietà ist Patronin einer Bruderschaft, der Liebfrauengilde, die erstmals 1348 urkundlich erwähnt wird. Das Anliegen dieser Bruderschaft ist die Verehrung der Schmerzhaften Mutter und ihrer Reliquien. Diese wurden bei einer Restaurierung 1991 in ihrem Kopf entdeckt. 1455 wurde ein Leuchter und 1466 ein Dach vor der ersten Kapelle gestiftet, das die Betenden vor Wettereinflüssen schützen sollte. In einer Urkunde aus dem Jahre 1479 wird erwähnt, dass Maria eine Krone trägt. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde am zweiten Dienstag nach Pfingsten in einer ganztägigen Umtracht, bei der die Pietà von der Liebfrauengilde mitgetragen wurde, Stadt und Kirchspiel Telgte unter den göttlichen Schutz gestellt. Ordensleute aus umliegenden Klöstern wallfahrteten nach Telgte, um an der Marienumtracht teilzunehmen.
Die Menschen baten Maria in den Sorgen und Nöten des Alltags um Hilfe. Der mittelalterlichen Frömmigkeit entsprechend erhofften sie sich Wunder. Viele Votivgaben in der Wallfahrtskapelle sind Ausdruck des Dankes für erfahrene Hilfe. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte sich Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die Rückgewinnung der Angehörigen des protestantischen Bekenntnisses zur pastoralen Aufgabe gemacht. Hierbei spielte die Marienverehrung eine zentrale Rolle. Als Jesuitenschüler am Paulinum in Münster hatte Christoph Bernhard die Wallfahrt nach Telgte kennengelernt.
Bereits 1651 genehmigte der Bischof den Franziskanern zwei große Wallfahrten von Warendorf und von Münster. Am 1. Juni 1654 legte er dann den Grundstein für die barocke Wallfahrtskapelle, die er 1657 auch persönlich weihte. Aus allen Orten seines Bistums ordnete er Wallfahrtsprozessionen nach Telgte an. So wurde Telgte zum „religiösen Herz des Münsterlandes“, wie Papst Johannes Paul II. Telgte nannte.
Ein besonderes Ereignis war das Wallfahrtsjubiläum 1904. Im Auftrag Papst Pius X. krönte der Erzbischof von Köln Antonius Kardinal Fischer die Pietà. Die Schmerzhafte Mutter von Telgte wurde so als ein offizielles Gnadenbild der katholischen Kirche anerkannt.
Nach dem zweiten Weltkrieg haben sich zahlreiche neue Wallfahrtstraditionen entwickelt. Hierzu gehören vor allem die Glatzer Wallfahrt und die Kutschenwallfahrt, die 1988 zum 750. Jubiläum der Stadt Telgte ins Leben gerufen wurde.
Quelle: Dr. Heinz Stratmann
Die Termine der Wallfahrten nach Telgte finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.
Eine Übersicht der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien können Sie hier abrufen,
Zur Homepage der Telgter Wallfahrtsgilde folgen Sie bitte diesem Link.
